Harun Farocki Retrospektive

Vermittlungsprogramm

Großes Kino, Kleines Kino und Arsenal Filmatelier

 

Das Arsenal Filmatelier ist eine Gruppe von Filmemacher*innen, Künstler*innen und Filmvermittler*innen, die Film und Kino in schulischen und außerschulischen Kontexten vermittelt. Die schulischen Aktivitäten flankiert das Arsenal Filmatelier durch die Filmreihe „Großes Kino, Kleines Kino“, die offen für interessierte Zuschauer*innen ist und Filme aus der Sammlung im Kino Arsenal präsentiert. Im Rahmen der Harun Farocki Retrospektive zeigt das Arsenal Filmatelier Kinovorführungen und Mini-Workshops, die sich sowohl an Schüler*innen („Arsenal Filmatelier“) als auch an Kinder und Jugendliche („Großes Kino, Kleines Kino“) richten.

 

Großes Kino, Kleines Kino*

 

 

24. September 2017, 16 Uhr

Wie man dreht *

Mit Anna Faroqhi (Filmautorin, Berlin) und Haim Peretz (Filmautor, Berlin), ab 10 Jahre

 

Filmauswahl:

Jean-Marie Straub und Danièle Huillet bei der Arbeit an einem Film nach Franz Kafkas Romanfragment ‚Amerika‘ (Regie: Harun Farocki, 1983), 26 min

 

Ein Filmemacher zeigt andere Filmemacher bei ihrer Arbeit. Harun Farocki war ein Schüler und Bewunderer der Regisseure, die er in seinem Film portraitiert. Straub und Huillet inszeniert, wie man am Theater probt – sehr genau und ohne auf die Zeit zu achten. Der Klang der Wörter ist wichtig. Es dürfen keine Fehler entstehen, denn die Kamera zeichnet alles für immer auf. Wir sehen uns einen Film über das Filmemachen an. Im Anschluss ist Gelegenheit, selbst bei der Herstellung einer kurzen Filmszene mitzuwirken und zuzuschauen.

 

 

15. Oktober 2017, 16 Uhr

Transport, Werkzeug, Arbeit, Spiel – Kinderfilme von Harun Farocki*

Mit Stefanie Schlüter (Filmvermittlerin, Berlin) und Brigitta Wagner (Filmemacherin und Filmvermittlerin, Berlin), ab 5 Jahre

 

Filmauswahl:

Transport 1 + 2 (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 6 min

Container 1 + 2 (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 6 min

 

Der Weg des Geldes (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 3 min

Sägen (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 3 min

Hammer (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 3 min

Dock (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 3min

Einschlafgeschichten: Brücken (Regie: Harun Farocki, 1977), 3 min

Einschlafgeschichten: Schiffe (Regie: Harun Farocki, 1977), 3 min

(Programmlänge ca. 30 Minuten)

 

In den 1970er Jahren hat Harun Farocki, häufig in Zusammenarbeit mit Hartmut Bitomsky, Kinderfilme realisiert. Von den Phänomenen in der Welt ausgehend zeigen die Filme auffällig oft Transportmittel und Verkehrswege wie Züge, Schiffe, Straßen, Brücken, Flüsse. In den Filmen werden die Spiel- und Werkzeuge der Kinder mit denen der Erwachsenen verglichen: Einem Stein etwa, mit dem auch ein Kind einen Nagel in ein Stück Holz schlagen kann, werden der Presslufthammer auf einer Baustelle und eine Maschine in einer Fabrik gegenübergestellt. Durch genaue Beobachtung stellt Farocki sichtbare Verbindungen zwischen den in der Welt verstreuten Dingen her und vermittelt ein anschauliches Bild von komplexen Zusammenhängen. Im Anschluss an die Filmvorführung setzen sich die Kinder kreativ mit dem Gesehenen auseinander.

 

 

 

Arsenal Filmatelier** /***

 

 

26. September 2017, 11 Uhr

Vergleichen und Verbinden**

Mit Anna Faroqhi und Haim Peretz, ab 10. Klasse

 

Filmauswahl:

Zum Vergleich (Regie: Harun Farocki, 2009), 61 min

 

„Farocki zeigt Ziegelbaustellen in ihren Farben, Bewegungen, Geräuschen. Ohne Kommentar. Zwanzig Zwischentitel in sechzig Minuten erläutern einige Arbeitsabläufe in ihrer Zeitlichkeit. Der Film zeigt, dass bestimmte Produktionsweisen ihre eigene Dauer verlangen.“ (Ute Holl)

 

Im Anschluss an den Film Zum Vergleich widmen wir uns in einem Workshop der Herstellung einer Montage aus von den Schüler*innen mitgebrachten Bildern zum Thema Ziegelbauten in Berlin.

 

 

29. September 2017, 10 Uhr

Bilder vom Krieg**

Mit Anna Faroqhi und Haim Peretz, ab 10. Klasse

 

Filmauswahl:

Bilder der Welt und Inschrift des Krieges (Regie: Harun Farocki, 1988), 75 min

 

In seinem Filmessay Bilder der Welt und Inschrift des Krieges denkt Harun Farocki über das Gewalttätige des technisch erstellten Bildes nach. Der Film erzählt von den nackten Gesichtern algerischer Berber-Frauen, von Luftaufnahmen der Alliierten des Konzentrationslagers Auschwitz, von der Idee des Vermessens und Herrschens hinter technischen Bildern, die en Vermessern und Herrschern aber nicht immer gelingt. Der Film stellt thematisch und formal eine Basis für Farockis filmisches Werk dar, die Gedanken werden in vielen nachfolgenden Arbeiten vertieft und weitergeführt.

 

In einem anschließenden praktischen Mini-Workshop wird ad hoc eine gemeinsame, eigene Montage von Bildern vom Krieg erstellt. Wie fügen sich gefundene Bilder aneinander? Welche Möglichkeiten des Erzählers ergeben sich? Wie viel Ausschuss gibt es bei der Suche nach Bildern?

 

 

11. Oktober 2017, 10 Uhr

Architekt*innen bei der Arbeit**

Mit Stefanie Schlüter und Brigitta Wagner, ab 10. Klasse

 

Filmauswahl:

Sauerbruch Hutton Architekten (Regie: Harun Farocki, 2013), 73 min

 

Der Dokumentarfilm Sauerbruch Hutton Architekten gibt einen Einblick in die Arbeit des bekannten Berliner Architekturbüros von Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton. Anhand von sechs verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und Umsetzung zeigt Farocki exemplarisch die Arbeitsteiligkeit in einem Architekturbüro mit rund 60 Mitarbeiter*innen. So arbeiten verschiedene Teams gleichzeitig an der Vorbereitung von Architekturwettbewerben, an der Planung eines Bauvorhabens oder an der Fertigstellung eines Gebäudes. Während hier Pläne ausgearbeitet werden, wird dort ein Modell gebaut oder eine Baustelle besucht. Viele Entscheidungen sind zu treffen: große Entscheidungen wie Farben und Material von Fassadenelementen, aber auch Entscheidungen im Detail wie der Entwurf von Fenster- und Türgriffen. Der Film beobachtet die leitenden Architekt*innen sowie deren Mitarbeiter*innen und überlässt die Zuschauer*innen kommentarlos den Prozessen dieser Arbeit. Anschließend erarbeiten sich Schüler*innen in einem Workshop zu Architekturbeobachtung mit Kameras die gebaute Umgebung des Potsdamer Platzes.

 

 

18. Oktober und 4. Dezember 2017, 10 Uhr

Bild Macht Ton Macht Bild**

Mit Eunice Martins (Pianistin und Komponistin, Berlin) und Laura Mello (Komponistin, Berlin), ab 10. Klasse

 

Filmauswahl:

Gegen-Musik (Regie: Harun Farocki, 2004), 23 min

Musik-Video (Regie: Harun Farocki, 2000), 1 min

Nicht löschbares Feuer (Regie: Harun Farocki, 1969), 23 min

 

In seinen Arbeiten interessierte sich Harun Farocki vielfach für die Instrumentalisierung der Bilder. In den heutigen unzähligen Medienformaten sind Bilder und die dazu montierte Tonspur kräftige Mittel, Macht zum Ausdruck zu bringen und die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Am Beispiel ausgewählter Filme von Harun Farocki möchten wir uns ansehen, wie der Filmautor über die Macht des technisch erstellten Bildes nachdenkt. Zu seinen Arbeitsmethoden gehört das genaue Betrachten von Bildern in unterschiedlichen Medienformaten (z. B. Überwachungsbilder, Fernsehen, Werbung, Computerspiele) und die kritische Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen der Ton- und Bildproduktion. Im Anschluss an die Filmvorführung erstellen wir in einem Mini-Workshop gemeinsam eine Montage aus Tonspuren zu bereits bestehenden Bildern. Wie fügen sich die Töne zu den Bildern? Welche Bedeutungsverschiebungen ergeben sich? Herrscht das Bild über den Ton oder umgekehrt?

 

 

24. November 2017, 10 Uhr

Staunen – Kinderfilme von Harun Farocki ***

Mit Stefanie Schlüter, ab 1. Klasse

 

Es gibt so vieles zu sehen in der Welt! Harun Farockis Einschlafgeschichten für Kinder, in den 1970er Jahren für die Fernsehformate Sandmännchen und Sesamstraße gedreht, handeln von staunenden Blicken. Farocki zeigt überraschende Dinge in der Welt, die Kinder täglich beobachten und von denen sie in den Bann gezogen werden. Zwei Schwestern, dargestellt von Farockis Zwillingstöchtern Anna und Lara, spielen abends im Bett vor dem Einschlafen ihre Seheindrücke durch: „Ich habe schon mal einen Mann gesehen, der hatte Krallen an den Füßen und konnte damit einen Baumstamm hochklettern.“ Oder: „Hast du schon mal ein Auto gesehen, das aus der Wand wuchs?“ Und dann überrascht uns der Regisseur mit der Auflösung dieses Rätsels. Geldkreisläufe werden sichtbar in dem Film Der Weg des Geldes. Der Film folgt einem 50-Pfennig-Stück, das von Hand zu Hand wandert. In Transport sind es Ziegelsteine, die von einer Hand zur nächsten weitergereicht werden. Der Film zeigt auf, wie sich die Beförderung von Lasten erleichtern lässt, und verdeutlicht dabei auch den Übergang von körperlichen zu maschinellen Transportmethoden.

 

Filmauswahl:

Einschlafgeschichten: Staunen (Regie: Harun Farocki, 1977), 8 min

Einschlafgeschichten: Verkehrsmittel (Regie: Harun Farocki, 1977), 6 min

Der Weg des Geldes (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 3 min

Transport 1 + 2 (Regie: Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, 1973), 6 min

Einschlafgeschichten: Brücken (Regie: Harun Farocki, 1977), 3 min

Einschlafgeschichten: Schiffe (Regie: Harun Farocki, 1977), 3 min

Einschlafgeschichten: Bahnen (Regie: Harun Farocki, 1977) 3 min

Einschlafgeschichten: Katze (Regie: Harun Farocki, 1977), 4 min

 

 

 

 

* Keine Anmeldung erforderlich, Eintritt: Kinokarte (€ 7,50; Mitglied Arsenal und n.b.k.: € 5; Kinder: € 3), in deutscher Sprache

** Anmeldung für Schulklassen (ab 10. Klasse), begrenzte Teilnahmeplätze: schlueter@arsenal-berlin.de,
Teilnahme kostenfrei, in deutscher Sprache

*** Anmeldung für Schulklassen (ab 1. Klasse): schlueter@arsenal-berlin.de,
Teilnahme kostenfrei, in deutscher Sprache

 

> Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin